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Es werden Posts vom Januar, 2013 angezeigt.

Logbuch 9: Er ruft den Wettergott an

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Druckversion/PDFnochmal zu Pan und Psyche
Ihr denkt jetzt  bestimmt, was hat sie denn mit Pan und Psyche? Ja. Was habe ich nun. Ich HABE, dass ich mit meiner Übersetzung NICHT EINVERSTANDEN bin. Das Gefühl, irgendetwas ganz Wesentliches übersehen zu haben, verfolgt mich.
Heute beim Frühstück kam mir ein Gedanke. Eigentlich schon gestern Nachmittag ist er gekommen, ich hatte nur keine Zeit, ihm meine Aufmerksamkeit zu widmen. Ich wollte unbedingt weiterkommen, und bin schon beim „Winter“ auf der Seite 185, Ulmer-Ausgabe.

Mitten drin des Schreibens hielt ich inne und  fragte mich, „Seltsam, warum beginnt er seinen Aufsatz mit einem Donnerwetter? Hätte er sich nicht ein freundlicheres Wetter aussuchen können?“ Heute beim Frühstück hielt ich erneut inne und dachte, „ Kann das sein, dass er damit den Zeus meint, den Wettergott? Von mir aus den Donar oder den Thor. Der Wettergott? Aber natürlich!  Er wird den Aufsatz nicht ohne Grund „Pan und Psyche“ genannt haben. Und wenn man zum ersten Mal…

Foersters Vogelwelt: Zaunkönig

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Deutscher Zaunkönig: hier kann man sich seine Gesangkunst bewundern: NABU

Koreanischer Zaunkönig [굴뚝새] In Korea nennt man sie Schornsteinvogel.

Logbuch 8: Pan und Psyche

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Am 23.01.2013 notierte ich folgendes:

Ich stelle fest, dass man ohne das Hintergrundwissen die Schriften Foersters nicht recht verstehen, und folglich auch nicht richtig übersetzen kann. So, z. B., erfahre ich, dass der berühmte Aufsatz “Pan und Psyche” entstanden ist, um über seine “Erkenntnisse über die Zusammenhänge in der Natur und im Ganzen” (Ulmer 2009. S. 77) darzustellen und darüber, “wie eine Jahreszeit noch ihre Bekanntschaft machen kann mit einer, die eigentlich schon gar nicht mehr da sein dürfte.” (a.a.O) Ohne dieses Wissen habe ich den Aufsatz fluchend zum Zigsten mal gelesen, ohne zu verstehen. Nun lese ich ihn heute mit einem ganz anderen Bewusstsein, die Übersetzung gelingt mir endlich.


Am 24.01. 2013 notierte ich folgendes: 
Beim Frühstück höre ich im Radio, dass es heute minus 10 Grad kalt sein soll. Klasse! Ich packe mich dick ein in meinen wärmsten Sachen, und gehe spazieren. Ich liebe diese klirrende Kälte, wenn der Himmel blau ist. So war …

Logbuch 7: Kann mir einer mal sagen

Wie der Satz unten zu verstehen ist?
„Solch fest mit dem Garten verwachsenes Pflanzenwesen, das immer wieder in Unsichtbarkeit untertaucht, schmückt oft mit seinen Blüten durch lange Reihen von Jahren unsere Jugendgeburtstage und dringt vielleicht noch lange immer wieder frühlingsfrisch zum Lichte dieses geheimnisvollen Sternenreiches empor, wenn wir schon wieder in Unsichtbarkeit untertauchten“. (Erste Begegnung mit der Staudenaster „Herbstmyrte“, in: Ein Garten der Erinnerung. Ulmer 2009. S. 158f)  Ich interpretiere, dass die Aster als Art uns überdauern wird. Oder bin ich völlig bescheuert?

Logbuch 6: Tagebuch des "Webers Toggenburg"

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Gestern noch vor dem Bettgehen, habe ich den Aufsatz “Pan und Psyche” zu Ende übersetzt. D. h. die deutschen Worte ins Koreanische umgesetzt. Die Sätze sind noch Gerippe. Der göttliche Atem fehlt noch. Ja. diese Worte Foersters! Zum Kuckuck, es war aber anstrengend! 

Ich habe es nicht fertig gebracht, den übersetzten Text nochmal durchzulesen. Ich war ziemlich müde, konnte kaum noch aus den Augen gucken. Wollte schlafen, nichts mehr von Pan und Psyche wissen. 

Heute Morgen fange ich sogleich mit dem nächsten Aufsatz “Wegrandzauber” an, ohne “Pan und Psyche”, -mein gestriges Verbrechen-, durchzulesen. Ich werde “Wegrandzauber” genauso handhaben. Einfach drauflos übersetzen und erst zum Schluss durchsehen und den göttlich Atem einhauchen. Ansonsten werde ich nie fertig. Wie oft ich den Aufsatz "Pan und Psyche" gelesen habe, ohne etwas zu verstehe!

Aber...
Schon bei den Zitaten gleich nach dem Titel "Wegrandzauber" beiße ich auf Granit. Foerster zi…

Ich trank heute Kaffee in der Milchstraße

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"Ich trank heute Kaffee in der Milchstraße" - so beginnt der berühmte Aufsatz "Urgeleise". Dieser ist wohl einer der letzten Schriften Karl Foersters. Geschrieben hat er sie in den Jahren 1969/70, also kurz vor seinem Tod.

Ich sitze lange vor diesem Satz und starre in die Leere. Ein wunderschöner Satz, typisch für Karl. Aber ist er nicht zu romantisch? Nicht ein bisschen zu viel?

Und dann plötzlich kommt die Erkenntnis. Moment Mal, ja, das stimmt. Wie wahr! Wir alle sitzen in der Milchstraße.

Ich könnte in Zukunft meine Adresse so angeben:

Jeong-Hi Go
Grunewaldstrasse
Schöneberg
Berlin
Deutschland
Europa
Erde
Sonnensystem
Milchstraße.

Ob der Postbote meine Briefe richtig zustellt?

Ich mache mir jetzt eine Tasse Kaffee. Und sitze in der Milchstraße und trinke ihn.



Übrigens, der Text Urgeleise ist wirklich schön. Hier ist der vollständige Text als PDF.


Logbuch 5: Jede Blume ein blühender Prosa

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Druckversion/PDF Jede Blume gleicht einzeln einem Stück blühenden Prosa.  So schön beschreibt die Schriftstellerin Renate Feyl den Foerster-Garten in Bornim. Im Buch „3 x Foerster“ finde ich beeindruckende Informationen über die Familie Foersters. Renate Feyl schreibt in ihrem Artikel „Wilhelm Foerster“ über den Vater so fein und klar formuliert, dass ich Lust bekam, ihre eigenen Bücher zu lesen. Ich wusste bis jetzt nichts von ihr. Ich google, siehe da. Es gibt eine Wiki-Eintragung über sie; Renate Feyl, freie Schriftstellerin, 1944 in Prag geboren, studierte an der Humboldt Universität Philosophie. Sie schreibt vorwiegend erzählende und essayistische Prosa. Da haben wir‘s also. Eine Prosaistin. Eine bezaubernd aussehende obendrein. Hat auch Romane geschrieben, ihr Hauptinteresse galt bis jetzt den  "bedeutenden Frauengestalten der deutschen Literaturgeschichte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts wie Luise Adelgunde Victorie Gottsched, Sophie von La Roche und Caroline von Wolzog…

Logbuch 4: Der Vater

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Das Kapitel "Elternhaus in der Sternwarte" ist schnell übersetzt. Ich lese den übersetzten Text mehrmals durch. Tja, was soll ich sagen. Meiner Übersetzung fehlt, -wie vermutet-, der so charakteristische Zauber der foersterschen Schrift. Ja, der „Zauber“, noch so ein Zauberwort von ihm. Wenn man aber das Wort "Zauber" wortwörtlich ins Koreanisch übersetzt, schwindet der Zauber! Es ist zum..... werden. 
Der Text des Bruders Friedrich Wilhelm ist viel leichter zu übersetzen. Er ist ganz ‚normal‘ aufgebaut, logischer, sachlicher, in sich schlüssiger und besser zu verstehen. Es gibt keine dreifacher Drehungen und vierfache Wendungen wie in Karl Foersters Text. Und vor allem hat der Bruder keine eigenen Worte erfunden! Ich überlege, Karl Foersters Gedanken schweben im Kosmos, seine sechs Sinne weit offen, und blickte er im Geiste alles auf einmal und gleichzeitig. Er verknüpft die Menschendingen mit Gestirnen und das Vergangene mit der Gegenwart und Zuk…

Logbuch 3: es geht feierlich weiter

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Druckversion/PDF Ein feierliches Omelett à la Mechaniker                                          Ich blättere im Roman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von Peter Hoeg herum, eigentlich um das Kochrezept für die Fischsuppe zu finden, die der stotternde Nachbar, der 'Mechaniker' mal gekocht hatte. Ich habe das Buch vor über zehn Jahren gelesen, weshalb ich mich nur sehr dunkel an das Szene erinnere, aber wo finde ich nun das Rezept? Ich ärgere mich, weil ich damals keine Notiz gemacht habe, und schließlich fange ich an, den Roman von Anfang an sorgfältig nochmal zu lesen. Was tut man nicht, um ein gutes Kochrezept zu bekommen? 


Auf der Seite 117 werde ich endlich fündig. Aber davor stoße ich auf der Seite 99 auf den Begriff "feierlich". So ist es. Egal was ich lese, springt mir zur Zeit dieser Begriff sofort ins Auge. Wem wundert's?
Und siehe da. Hier brät der Mechaniker ein Omelett, das hatte ich nun ganz vergessen:

Logbuch 2: über die "Feierlichkeit"

Druckversion/PDF  "feierlich"  Bei dem Begriff "feierlich" werde ich stutzig. Wie soll ich dies nun übersetzen? Es gibt leider keine hundertprozentige Entsprechung im koreanischen Wortschatz. Jedenfalls nicht, wie Karl Foerster gemeint haben könnte. Kennen wir Koreaner denn keine Feierlichkeit? Oder sind wir keine feierliche Menschen? Mag alles sein. 
Karl Foerster benutzt diesen Begriff sehr oft. War er selbst ein feierlicher Mensch wie sein Vater? Wüsste ich gern. So hat er seinen Vater beschrieben:  "Ich besinne mich auf hundertfache Gänge mit unserem Vater in wilder Landschaft, auf denen er den Wegrandflor, den Dünen- oder Bergflor beiläufig mit zärtlichen und feierlichen Worten streifte. Er nahm all die kleinen Geschmeide eigentümlich ernst und wiederholte ihre wohlklingenden griechisch-lateinischen Namen fast wie Namen von Gestirnen oder Weltprinzipien oder magischen Gespinsten der Natur. Es schien hinter seinen Worten ein Mitwissen um große Zusammenhän…

Logbuch 1: The Beginning

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Die Idee, zwei Bücher von und über Karl Foerster zu übersetzen, stammt von einem Kuratoriumsmitglied der Karl Foerster Stiftung. Ich weiss nicht genau, ob ich hier seinen Namen nennen darf. Wahrscheinlich sollte ich zunächst seine Zustimmung einholen. Jedenfalls glänzt dieser Kollege durch Ideenreichtum, grosses Emgagement und enorme Energie.   Als es hieß, in Korea wird ein Garten im Sinne Karl Foersters angelegt, und er möge mich bitte unterstützen, fing er an, ein umfangreiches 'Programm' um den Garten herum zu entwickeln. Ich will hier nicht das ganze Programm darlegen. Zum Programm gehörte auch die Idee der Übersetzung der Foerster Bücher. Diese Idee fand sofort meine Zustimmung. Wir beratschlagten mit Prof. Hallmann, und sind zu dem Schluss gekommen, "Ein Garten der Erinnerung" von und über Karl Foerster und "Der Garten meines Vaters" von Marianne Foerster zu übersetzen. 

Mit der Übersetzung hatte ich bereits begonnen, als der Vertrag …

Wie die Gartenschau mit Karl Foerster nach Korea ging.

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Im vergangenen Juli erhielt ich einen Anruf von Frau Na, Ok-Hyun, der Öffentlichkeitsbeauftragten der Stadtverwaltung Suncheon in Süd-Korea. Sie berichtete mir, dass der deutsche Botschafter die Stadt Suncheon besucht und ein großes Interesse an den Karl-Foerster-Garten gezeigt habe. Aus diesem Grunde sah sich der amtierende Bürgermeister dazu veranlasst, drei Mitglieder des Kuratoriums der Karl-Foerster-Stiftung einzuladen. 

Deutschland hat, - jedoch ohne es zu wollen -, zur Errichtung der Internationalen Gartenschau ECO GEO Suncheon 2013 einen entscheidenden Beitrag geleistet, der weit über die Anlage des Karl-Foerster-Gartens hinaus geht. Die Idee, eine internationale Gartenschau auszurichten, ist überhaupt erst entstanden, nachdem man von der deutschen Gartenausstellung erfahren hatte. Bis dahin war in Korea eine als Daueranlage konzipierte Gartenausstellung, die in Deutschland üblich ist gänzlich unbekannt gewesen. 

Es finden natürlich die sogenannten „Flowershows“ nach dem englis…